Warum einfache Stundensatz-Rechnungen oft in die Falle führen
Viele Gründer und Freelancer teilen ihr gewünschtes Monatsgehalt einfach durch 160 Stunden. Das führt fast immer zu Unterdeckung, da wichtige Kostenfaktoren übersehen werden:
Nicht-fakturierbare Zeit
Im Schnitt können nur 65 bis 75 % der Arbeitszeit bezahlt abgerechnet werden. Der Rest fließt in Akquise, Buchhaltung und Weiterbildung.
Volle Vorsorgelast
Als Selbstständiger zahlst du Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil der Kranken- und Pflegeversicherung sowie deine Altersvorsorge komplett allein.
Ausfall- & Wagnisrisiko
Urlaubstage, Feiertage und Krankheitstage werden nicht vergütet. Ein Puffer von mindestens 15 % fängt Projektlücken und Investitionen ab.
Muster-Kalkulationsschema: Vom Wunsch-Netto zum Stundensatz
Eine betriebswirtschaftlich fundierte Rückwärtskalkulation gliedert sich in folgende Bausteine:
| Kalkulationsposition | Erläuterung | Beispielwert (Jahr) |
|---|---|---|
| 1. Privater Netto-Bedarf | Lebenshaltung, Miete, Familie (z. B. 3.500 € / Monat) | 42.000 € |
| 2. Kranken-, Pflege- & Altersvorsorge | Volle Eigenabsicherung (~1.200 € / Monat) | + 14.400 € |
| 3. Betriebsausgaben & Fixkosten | Software, IT, Steuerberater, Arbeitsplatz (~700 € / Monat) | + 8.400 € |
| 4. Einkommensteuer & Solidaritätszuschlag | Geschätzte Steuerlast auf den Gewinn | + 21.500 € |
| 5. Wagnis- & Gewinnzuschlag (15 %) | Rücklagen für Leerlauf & Reinvestition | + 12.945 € |
| Erforderlicher Jahres-Netto-Umsatz | Geteilt durch 1.100 fakturierbare Stunden | 99.245 € (≈ 90,22 € / h) |
Branchen-Benchmarks für Freelancer
In Deutschland liegen die durchschnittlichen Stundensätze für freiberufliche Software-Entwickler und IT-Berater meist zwischen 95 € und 130 €, im UX/UI-Design zwischen 75 € und 105 € und im Bereich Marketing/Copywriting zwischen 65 € und 90 €.